von Willi

Der Klassiker am Falkenstein

Wer hätte gedacht, Ende Oktober, nach einer erfolgreichen Tour auf einen Gipfel noch fast einen Sonnenbrand zu bekommen. Sonnenbaden mit Aussicht kann ich da nur sagen.
Wettertechnisch haben wir es jedenfalls perfekt getroffen, als Max nach mehr als zwei Jahren endlich seinen Geburtstagsgutschein "Klettern auf den Falkenstein" einlösen konnte. Gerade rechtzeitig. Nach drei Jahren wäre der verfallen :)
Was lange wärt wird endlich gut. Und so haben sich Max, Robin, Micha, ich und das Wetter kurzfristig zusammengefunden, um "an der Touristenwand an einem Feiertag anzustehen oder noch vor den Bäckern aufzustehen" (O-Ton Basti). Da hat er beim gewählten Klassiker, dem "Schusterweg", nicht ganz unrecht. Erstbegangen bereits 1892 von Oscar Schuster und M. Klimmer, ist es einer der abwechslungsreichsten und beliebtesten Wege in der Sächsichen Schweiz. Wir entschieden uns für die Option "frühes Aufstehen", um der Warteschlange hoffentlich zuvor zukommen.
Ein besonderer Vorteil dieser Option war die traumhaft schöne Morgenstimmung auf der Fahrt nach Bad Schandau. Ein riesiges, dichtes Nebelmeer lag über der Landschaft. Nur die größten Massive wie der Lilienstein und Königstein schafften es sich aus diesem heraus zu erheben. Angestrahlt von der noch zaghaft, aufgehenden Sonne, bildete dieses Ensemble beste Fotomotive.
Doch wir hatten keine Zeit zum Verweilen. Unsere Aufgabe war klar: vor dem Wandereransturm einen Parkplatz finden und eine gute Startposition am Fels sichern. Die Umsetzung klappte ganz gut. Unser Auto fand ein lauschiges Plätzchen und nach einem strammen Marsch durch den Schießgrund standen wir 8:30 Uhr am Einstieg des Schusterweges. Tatsächlich hatte sich noch eine weitere Seilschaft vor uns gemogelt. Bestehend aus nur zwei Kletterern, gab diese uns aber die optimale Vorlaufzeit uns bereit zu machen.
An dieser Stelle ein freundlicher Rat: Nehmt keine Rucksäcke mit in den Schusterweg. Wir hatten schon vorsorglich nur das allernötigste Schlingenmaterial mitgenommen, damit wir kein Gepäck am Boden lassen mussten. Leider nahmen wir einen Rucksack mit Fotoequipment und einen weiteren für Essen und Trinken mit auf die Tour. Auch wenn wir uns auf dem Gipfel über Getränke und eine Mahlzeit freuten, hielt uns der Transport durch die Kamine extrem auf.
Von diesen Herausforderungen noch nichts ahnend, machte sich Max daran die erste Seillänge vorzusteigen. Diese führt 30m über eine mächtige Rinne mit zum Teil stark ausgetretenen Tritten auf ein Band zur ersten Nachholstelle. Robin ging gleich solo hinterher. Micha und ich bevorzugten den Nachstieg im Seil.
Nachdem diese Aufwärmrunde geschafft war ging es 10m rechts auf dem Band entlang zur Perle des Schusterweges, der sogenannten Porzellankante. 15m super griffiger und gut absicherbarer Fels, welcher mir die Ehre zu teil kam vorzusteigen. Nichtsdestoweniger sollte man an vielen Stellen aufpassen nicht zu ruppig mit dem Gestein umzugehen, um nicht doch filigranere Stücke auszubrechen. Am Ende dieses Teilstücks erwartete mich ein Nachholring mit angenehmer Sitzposition und einer super Aussicht auf die Schrammsteine bis hinter zu den Affensteinen. Micha, der am Morgen mit großem Respekt dem Falkenstein begegnete, war spätestens jetzt voller Motivation und angefixt diesen schönen Abschnitt irgendwann später noch einmal selbst vorzusteigen.
Wahrscheinlich war diese Euphorie der Grund, weshalb er sich auch gleich als Erster in den jetzt anstehenden schrägen Kamin getraut hat. Es handelt sich um den Kriechkamin, welchen man je nach persönlicher Risikobereitschaft unterschiedlich klettern kann. Entweder weiter Außen mit mehr Platz über dem Kopf, dafür auch nah am luftigen Abgrund oder ganz weit drinnen, eingequetscht und liegend aufwärts schrubbend, aber ohne jeglicher Gefahr irgendwo abzustürzen.
Ich empfand es als ziemlich interessante Abwechslung, hatte aber einen sehr viel längeren Abschnitt erwartet.
Micha holte mich nach dem Kriechkamin nach und kletterte dann auch gleich weiter, damit wir genügend Platz am Stand hatten. Diese vierte Seillänge bestand zwar nur aus 30m leichter Reibungskletterei, dafür gab es aber auch keine Zwischensicherungsmöglichkeiten. Von diesen hatten wir insgesamt eh wenig Gebrauch gemacht. Alles in allem legten wir auf 125 Klettermetern nur fünf Sicherungen, exklusive den Standplätzen.
Davon ließ sich Micha aber nicht beirren und durchstieg auch diese Seillänge sicher, souverän und zügig. Ein weiterer Vorteil, dass Micha gleich weiter geklettert war, wir konnten Max direkt vom Kriechkamin zu ihm weiter schleusen.
Eine Zeitersparnis, welche durch das separate nachholen der Rucksäcke wieder zunichte gemacht wurde.
Nehmt keine Rucksäcke mit auf den Schusterweg.
Schlussendlich rückten wir alle zu Micha auf. Endlich konnten wir Oscar "Hallo" sagen und uns nach einem kurzen Abstieg an die Schlüsselstelle des Weges wagen, den unteren Reitgrat.
Zunächst mussten wir aber noch auf die 2er Seilschaft vom Beginn warten. Dabei entbrannte zwischen Robin und mir eine heftige Diskussion, ob die verlockende Sanduhr am Beginn des unteren Reitgrats zur Selbstsicherung genommen werden kann. Nein, sollte man nicht! Das Gebilde ist hol und hält keinen Sturz einer Seilschaft aus. Stattdessen legte Robin an anderer Stelle eine brauchbare Bandschlinge und für den Rest des Teams konnte ich im Kaminblock noch einen Mastwurf zur Eigensicherung legen. Den hatte mir Micha glücklicherweise noch morgens im Auto zur Auffrischung gezeigt gehabt.
Nachdem nun alle versorgt waren, konnte Robin endlich in den unteren Reitgrat einsteigen. Hier beginnt schon die Crux. Die Seillänge startet mit einem engen Kamin, führt dann über einen schmalen Grat und endet nochmal mit einem kurzen Kamin und Reibungstritten. Auch hier gab es lange Wartepausen, in denen der Rucksacktransport koordiniert wurde.
Nehmt einfach keine Rucksäcke mit auf den Schusterweg. Nach einer gefühlten Ewigkeit konnte ich dann als letzter den Nachstieg beginnen. Der kurze Einstiegskamin war eine echte Schinderei. Auf dem eigentlichen Reitgrat probierte ich erst sitzend im Reiterstil voranzukommen. Das wurde mir aber sehr schnell zu umständlich, weshalb ich aufstand und auf dem Grat bis zu dessen Ende gegangen bin. Den letzten Abschnitt empfand ich etwas gewöhnungsbedürftig, da etwas unübersichtlich und ich auch keine gute Technik gefunden hatte. Irgendwie wurschtelte ich mich schließlich auch dieses Stück hoch. Keuchend wie ein zu alter Ackergaul, teils wegen meiner unterirdischen Kondition, teils weil ich mich von den Nachfolgenden treiben hab lassen, kam ich bei den Jungs an.
Das hielt mich dann aber nicht davon ab gleich direkt weiter in den Oberen Reitgrat und damit in die letzte Seillänge einzusteigen. Auch hier beginnt es wieder mit einem kurzen Kamin. Der ging aber angesichts der vorhergehenden Strapazen ganz gut. Ich fand sogar eine Stelle um eine Schlinge zu legen. Mein Versuch dies auch in die Tat umzusetzen war mir nach etwas gefummel aber doch zu nervig und ich bin ohne weiter. Nach diesem Einstiegskamin war das Ding sowieso gegessen und man kann den Rest des Weges sicher in der Spalte hoch gehen.
Es folgten Robin, Max und Micha.
Robin war nach seiner Ankunft auf dem Gipfel direkt tatkräftig dabei Fotos zu machen.
Wir anderen mussten uns erstmal ausruhen. Aber zusammen erfreuten wir uns an dem eben erreichten, der grandiosen Aussicht und besonders an der wärmenden Sonne. Kurz nach uns erreichte die nächste Seilschaft den Gipfel und wir kamen ins Gespräch. Dabei bekamen wir noch ein paar gute Tipps und Empfehlungen für die nächsten Wege und Gipfel u.a. direkt gegenüber am hohen Torstein.
Nach einer kurzen Mahlzeit (zum Glück hatten wir unseren Rucksack dabei) ging dann auch hier die schöne Gipfelzeit vorbei und wir wandten uns dem Abstieg zu.
Die Abseilpiste des Falkensteins ist eine eigene spezielle Herausforderung. Die vier Abseillängen erforderten nochmal volle Aufmerksamkeit, da sie nicht unbedingt anfängerfreundlich sind. Die Plattform nach der ersten Abseile ist schon sehr eng für 4 Personen. Zudem hatten wir ein paar Potsdamer im Nacken, welche uns drängelten. Nach zwei weiteren Ösen und viel Aussicht zwischendurch, waren wir dann aber schlussendlich wieder am Boden angelangt. Etwas geschafft, dafür gesund und wohlbehalten, hatten wir eine großartige und langersehnte Bergfahrt gemeistert.
Nun hieß es nur noch Ausrüstung sortieren und wieder ab nach Hause zu den Liebsten, um den Rest des Feiertages ausklingen zu lassen.
Falls ihr selbst Lust auf diesen Klassiker der Sächsischen Schweiz habt, empfehle ich euch zur Vorbereitung den Erfahrungsbericht von Aldo Bergmann auf Quackensturm. Mir haben seine Tipps und Bilder sehr geholfen vorab einen Eindruck von der Tour zu bekommen. Eine übersichtliche Topo gibt es auch hier.
Wir werden auf jeden Fall wiederkommen. Also bleibt gespannt.

Eurer Klub der unverbesserlichen Kletterer

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